
Teamgeist ist ein wichtiges Kriterium für Soldat/-innen.
Viele Bewerber/-innen haben Bammel vor der Gruppensituation. Nicht, weil die Aufgaben besonders schwierig sind, sondern weil du dabei unter permanenter Beobachtung stehst. Wie du auftrittst, kommunizierst, mit anderen umgehst und dich einbringst, zählt mehr als das Ergebnis als solches. In diesem Beitrag erfährst du, wie das Gruppensituationsverfahren abläuft, worauf es dabei ankommt und wie du dich darauf vorbereiten kannst.
Die Gruppenaufgaben sind ein Abschnitt im Einstellungstest für künftige Führungskräfte der Bundeswehr. Als Bewerber/-in für die Laufbahn der Feldwebel oder Offiziere musst du im sogenannten Gruppensituationsverfahren (GSV) deine sozialen Kompetenzen unter Beweis stellen.
Anders als bei klassischen Prüfungsfragen gibt es bei den Gruppenaufgaben keine Musterlösungen. Die Prüfer bewerten weniger, was du sagst, sondern in erster Linie, wie du dich verhältst und einbringst.
Um was geht es bei der Gruppensituation im Einstellungstest der Bundeswehr?
Als Feldwebel oder Offizier gehörst du zu den Führungskräften. Du trägst Verantwortung für Mensch und Material und triffst Entscheidungen, oft unter Zeitdruck. Einerseits führst du mit klaren Ansagen, andererseits arbeitest du eng mit anderen zusammen.
An dieser Stelle setzt das Gruppensituationsverfahren an. Es soll zeigen, wie du dich in Gruppensituationen verhältst, die in ähnlicher Form regelmäßig im militärischen Alltag entstehen.
Die Bewertungskriterien
Während der Gruppensituation beobachten mehrere Prüfer dein Verhalten und bewerten es. Entscheidend ist nicht, ob du dich wie eine Führungskraft benimmst, sondern wie du auftrittst und dich einbringst. Zu den Bewertungskriterien zählen:
- Teamgeist und Kooperationsbereitschaft
- klare und strukturierte Kommunikation
- Übernehmen von Verantwortung
- Durchsetzungsvermögen (ohne Dominanz!)
- Entschlussfähigkeit
- Umgang mit Stress, Druck und Widerstand
- Einbinden ruhigerer Gruppenmitglieder
Eine häufige Sorge ist: „Ich bin nicht der typische Leader-Typ.“ Das muss kein Nachteil sein. Gerade im GSV kann Führung darin bestehen, Ordnung in eine Diskussion zu bringen, andere mitzunehmen oder zu vermitteln und die Lösung zu moderieren.
Wie läuft die Gruppensituation ab?
Für das GSV bildest du mit drei bis fünf Mitbewerber/-innen eine Gruppe. In dieser Konstellation folgen drei Aufgaben, nämlich eine Gruppendiskussion, ein Planspiel und ein Kurzvortrag.
Gruppendiskussion
Die erste Aufgabe sieht vor, dass du gemeinsam mit den anderen Gruppenmitgliedern eine Lösung für ein Problem erarbeitest. Dafür habt ihr zehn bis 15 Minuten Zeit. Jedem wird eine Rolle mit einer bestimmten Position zugewiesen. Diese Position musst du vertreten, von deiner Rolle darfst du nicht abweichen.
Beispiel
Es geht um die Frage, ob Volksentscheide nach dem Schweizer Vorbild in Deutschland eingeführt werden sollen.
Du hast die Rolle eines Vertreters aus der Politik, der sich klar gegen regelmäßige Bürgerentscheide ausspricht.
Lösungsansatz: Als dein stärkstes Argument könntest du anführen, dass die Beteiligung der Bürger den Prozess der Gesetzgebung erheblich verlangsamen könnte. Gleichzeitig solltest du auf das Gegenargument vorbereitet sein, dass Bürgerentscheide die Mitbestimmung des Volkes und damit die Demokratie stärken.
Bei der Gruppendiskussion geht es nicht darum, deinen Standpunkt durchzusetzen, sondern deine Position sauber zu argumentieren und dabei verschiedene Blickwinkel auf das Thema zu berücksichtigen.
Planspiel
Das Planspiel befasst sich meist mit begrenzten Ressourcen, die nicht für alle ausreichen. Das Ziel ist, eine tragbare Lösung zu finden, die allen Beteiligten gerecht wird. Für die Aufgabe steht ein Zeitfenster von etwa acht Minuten zur Verfügung.
Beispiel
Für eine Veranstaltung habt ihr Karten reserviert und bezahlt. Ein technischer Defekt hat aber zur Folge, dass ein Ticket fehlt. Es ist weder möglich, eine weitere Karte zu kaufen, noch die vorhandenen Karten zu stornieren.
Im Vorfeld bekommst du eine Liste mit Argumenten und Gegenargumenten, kannst aber natürlich auch eigene Gründe einbringen.
Lösungsansatz: Du kannst deinen Anspruch auf eine Karte damit begründen, dass du
- als Einzige/r noch nie auf so einer Veranstaltung warst,
- es deine Idee war, die Veranstaltung zu besuchen,
- dich um die Karten gekümmert hast und der Fehler nicht deine Schuld ist.
Haben die anderen bessere Gründe, kannst du aber auch deinen Verzicht erklären, um zur Lösung beizutragen.
Die Problemlösung besteht nicht darin, dass du deinen Willen um jeden Preis durchsetzt. Entscheidend ist, dass ihr gemeinsam eine Entscheidung trefft und dazu sachlich interagiert.
Kurzvortrag
Die letzte Aufgabe ist ein Kurzvortrag. Dazu wird dir ein Thema vorgegeben, meist aus dem Alltag oder dem aktuellen Zeitgeschehen. Nach einer Vorbereitungszeit von etwa 25 Minuten hältst du deinen Vortrag vor der Gruppe und den Prüfern. Deine Redezeit sollte zehn Minuten nicht überschreiten.
Der Kurzvortrag soll zeigen, ob du ein Thema erfassen kannst, verschiedene Aspekte des Problems erkennst, strukturiert vorgehst und eigenständig zu Lösungen kommst. Außerdem geht es darum, ob du deine Überlegungen klar und nachvollziehbar kommunizieren kannst.
Gibt es Unterschiede in den Auswahlverfahren für Feldwebel und Offiziere?
Bewirbst du dich als Feldwebel oder Offizier, gehört die Gruppensituation zu deinem Einstellungstest. Der Ablauf dieses Testbausteins ist gleich. Allerdings unterscheiden sich die Anforderungen:
| Feldwebel | Offiziere | |
| Kommunikation | situativ | strategisch |
| Führungsverhalten | praxisnah | strukturiert und analytisch |
| Positionierung | verlässlicher Ansprechpartner mit Führungsverantwortung im Team | Führen und Steuern des Teams |
Doch auch wenn die Erwartungshaltung etwas anders ist, gelten die gleichen Grundprinzipien: Team vor Ego, Struktur und Sachlichkeit vor lauter Dominanz.
Wie kann ich mich auf die Gruppensituation vorbereiten?
Für das GSV kannst du nicht im klassischen Sinne lernen. Es würde keinen Sinn machen, irgendwelche Sätze auswendig zu lernen, weil du nicht wissen kannst, welche Themen besprochen werden und wie sich die Situation entwickelt.
Trotzdem kannst du dich vorbereiten, indem du übst:
- aktives Zuhören
- systematisches Erarbeiten eines Themas
- strukturiertes Argumentieren
- freies Sprechen vor Publikum
- Reagieren auf sehr dominante Personen
- Umgang mit Stress
Der Ratschlag „Sei einfach du selbst“ ist richtig, greift aber etwas zu kurz. Besser ist, wenn du in der richtigen Mischung aus selbstbewusst, reflektiert, höflich und respektvoll auftrittst.
FAQ zur Gruppensituation im Eignungstest der Bundeswehr
Wie lange dauert das GSV?
Die Gruppensituation wird als mündliches Assessment-Center mit meist drei verschiedenen Aufgaben durchgeführt. Die Dauer variiert je nach Organisation und Aufgaben.
Gibt es richtige oder falsche Lösungen?
Nein. Für die Gruppenaufgaben gibt es keine Musterlösungen. Entscheidend ist, wie du mit deiner Gruppe ein Problem angehst und löst.
Droht eine schlechte Bewertung, wenn man eher wenig spricht?
Nicht unbedingt. Für die Bewertung zählt nicht, wie viel du sprichst, sondern was du sagst und wie du mit den anderen interagierst. Negativ wirkt aber, wenn du nur passiv herumsitzt und dich gar nicht einbringst.
Ist Führung wichtiger als Teamgeist?
Nein. Auch als Führungsperson ist Teamfähigkeit unverzichtbar.
Was sind die größten Fehler in der Gruppensituation?
Es gibt ein paar Verhaltensweisen, die regelmäßig zu Minuspunkten führen:
- Dominanz ohne Zuhören
- Ignorieren anderer Meinungen
- Ironie oder abwertende Kommentare
- Wortmeldungen ohne Struktur
- Passivität oder vorschneller Rückzug
Gerade im militärischen Umfeld ist ein sachlicher und produktiver Umgang wichtiger als die Selbstinszenierung.
Fazit: So meisterst du die Gruppensituation
Das Gruppensituationsverfahren ist weder ein Redewettbewerb noch geht es um schauspielerische Leistungen. Es soll zeigen, ob du die sozialen und kommunikativen Fähigkeiten mitbringst, die für effektive und kooperative Teams im militärischen Umfeld gefragt sind.
Durch die Gruppenaufgaben und den Kurzvortrag kann die Bundeswehr unter realitätsnahen Bedingungen prüfen, ob du:
- strukturiert denkst,
- höflich und respektvoll agierst,
- dich klar und verständlich ausdrückst,
- Verantwortung übernimmst,
- Entscheidungen triffst
- und gemeinsam mit anderen tragfähige Lösungen entwickelst.
Wenn du das verstanden hast, bist du optimal auf das GSV vorbereitet.














