Bundeswehr Gruppensituation: Gruppenaufgaben im Assessment

Aktualisiert am 9. Oktober 2026 von Ömer Bekar
Gruppensituation Bundeswehr Einstellungstest

Teamgeist ist ein wichtiges Kriterium für Soldat/-innen.

Viele Bewerber/-innen haben Bammel vor der Gruppensituation. Nicht, weil die Aufgaben besonders schwierig sind, sondern weil du dabei unter permanenter Beobachtung stehst. Wie du auftrittst, kommunizierst, mit anderen umgehst und dich einbringst, zählt mehr als das Ergebnis als solches. In diesem Beitrag erfährst du, was über das Gruppensituationsverfahren bekannt ist, worauf es dabei ankommt und wie du dich mit Übungsbeispielen darauf vorbereiten kannst.

Das Gruppensituationsverfahren (GSV) gehört zum Auswahlverfahren für Offizierbewerber/-innen im Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr in Köln. Auch im Auswahlverfahren für den gehobenen zivilen Dienst ist es vorgesehen. Welche Aufgaben Offizierbewerber/-innen im GSV genau bekommen, veröffentlicht die Bundeswehr nicht.

Anders als bei klassischen Prüfungsfragen gibt es bei den Gruppenaufgaben keine Musterlösungen. Die Prüfer bewerten weniger, was du sagst, sondern in erster Linie, wie du dich verhältst und einbringst.

Um was geht es bei der Gruppensituation im Einstellungstest der Bundeswehr?

Als Offizier gehörst du zu den Führungskräften. Du trägst Verantwortung für Mensch und Material und triffst Entscheidungen, oft unter Zeitdruck. Einerseits führst du mit klaren Ansagen, andererseits arbeitest du eng mit anderen zusammen.

An dieser Stelle setzt das Gruppensituationsverfahren an. Es soll zeigen, wie du dich in Gruppensituationen verhältst, die in ähnlicher Form regelmäßig im militärischen Alltag entstehen.

Was bewertet wird

Während der Gruppensituation wird dein Verhalten beobachtet und bewertet. Für den gehobenen nichttechnischen Dienst legt die Verwaltungsvorschrift fest, welche Merkmale im GSV bewertet werden: soziale Kompetenz, Planungsverhalten und Führungskompetenz. Für Offizierbewerber/-innen sind die Kriterien nicht veröffentlicht. Nach unserer Einschätzung zeigen sich diese Merkmale vor allem an folgenden Punkten:

  • Teamgeist und Kooperationsbereitschaft
  • klare und strukturierte Kommunikation
  • Übernehmen von Verantwortung
  • Durchsetzungsvermögen (ohne Dominanz!)
  • Entschlussfähigkeit
  • Umgang mit Stress, Druck und Widerstand
  • Einbinden ruhigerer Gruppenmitglieder

Eine häufige Sorge ist: „Ich bin nicht der typische Leader-Typ.“ Das muss kein Nachteil sein. Gerade im GSV kann Führung darin bestehen, Ordnung in eine Diskussion zu bringen, andere mitzunehmen oder zu vermitteln und die Lösung zu moderieren.

Was ist über den Ablauf bekannt?

Im Gruppensituationsverfahren löst du mit wenigen Mitbewerbenden nach festen Regeln eine Planungs- und Organisationsaufgabe; beobachtet wird, wie du planst, dich einbringst und Verantwortung übernimmst. Belegt ist diese Beschreibung für den gehobenen zivilen Dienst: Die Verwaltungsvorschrift nennt eine handlungsorientierte Planungs- und Organisationsaufgabe, die drei bis fünf Bewerbende gemeinsam nach vorgegebenen Regeln bearbeiten. Dort hältst du außerdem einen Kurzvortrag zu einem vorgegebenen Thema. Für Offizierbewerber/-innen in Köln veröffentlicht die Bundeswehr die genauen Bestandteile nicht.

Die drei folgenden Aufgaben sind deshalb Übungsbeispiele zur Vorbereitung und kein offizieller Ablauf. Du kannst sie mit Freunden oder in einer Lerngruppe durchspielen, um Argumentieren, gemeinsames Entscheiden und freies Sprechen zu trainieren.

Übungsbeispiel 1: Diskussion mit verteilten Rollen

In dieser Übung erarbeitest du gemeinsam mit den anderen eine Lösung für ein Problem. Jede Person bekommt eine Rolle mit einer bestimmten Position. Diese Position vertrittst du, ohne von deiner Rolle abzuweichen.

Beispiel

Es geht um die Frage, ob Volksentscheide nach dem Schweizer Vorbild in Deutschland eingeführt werden sollen.

Du hast die Rolle eines Vertreters aus der Politik, der sich klar gegen regelmäßige Bürgerentscheide ausspricht.

Lösungsansatz: Als dein stärkstes Argument könntest du anführen, dass die Beteiligung der Bürger den Prozess der Gesetzgebung erheblich verlangsamen könnte. Gleichzeitig solltest du auf das Gegenargument vorbereitet sein, dass Bürgerentscheide die Mitbestimmung des Volkes und damit die Demokratie stärken.

Bei einer solchen Diskussion geht es nicht darum, deinen Standpunkt durchzusetzen, sondern deine Position sauber zu argumentieren und dabei verschiedene Blickwinkel auf das Thema zu berücksichtigen.

Übungsbeispiel 2: Planspiel mit knappen Ressourcen

In dieser Übung geht es um begrenzte Ressourcen, die nicht für alle ausreichen. Das Ziel ist, eine tragbare Lösung zu finden, die allen Beteiligten gerecht wird.

Beispiel

Für eine Veranstaltung habt ihr Karten reserviert und bezahlt. Ein technischer Defekt hat aber zur Folge, dass ein Ticket fehlt. Es ist weder möglich, eine weitere Karte zu kaufen, noch die vorhandenen Karten zu stornieren.

Jede Person bekommt vorab eine Liste mit Argumenten und Gegenargumenten, kann aber natürlich auch eigene Gründe einbringen.

Lösungsansatz: Du kannst deinen Anspruch auf eine Karte damit begründen, dass du

  • als Einzige/r noch nie auf so einer Veranstaltung warst,
  • es deine Idee war, die Veranstaltung zu besuchen,
  • dich um die Karten gekümmert hast und der Fehler nicht deine Schuld ist.

Haben die anderen bessere Gründe, kannst du aber auch deinen Verzicht erklären, um zur Lösung beizutragen.

Die Problemlösung besteht nicht darin, dass du deinen Willen um jeden Preis durchsetzt. Entscheidend ist, dass ihr gemeinsam eine Entscheidung trefft und dazu sachlich interagiert.

Übungsbeispiel 3: Kurzvortrag

Für diese Übung lässt du dir ein Thema aus dem Alltag oder dem aktuellen Zeitgeschehen vorgeben, bereitest dich kurz vor und trägst dann frei vor der Gruppe vor. Fester Bestandteil ist der Kurzvortrag im Auswahlverfahren für den gehobenen zivilen Dienst: Dort erarbeitest du ihn zu einem vorgegebenen Thema und präsentierst ihn im Plenum. Für Offizierbewerber/-innen ist ein Kurzvortrag nicht belegt.

Im gehobenen zivilen Dienst soll der Kurzvortrag zeigen, ob du dir in kurzer Zeit ein unbekanntes Thema erschließen und es nachvollziehbar darstellen kannst. Genau das trainierst du mit dieser Übung.

Gibt es Unterschiede in den Auswahlverfahren für Feldwebel und Offiziere?

Ja. Unter den militärischen Laufbahnen gehört das Gruppensituationsverfahren nur zum Auswahlverfahren für Offizierinnen und Offiziere. Bewirbst du dich als Feldwebel, durchläufst du keine Gruppensituation.

Kurz testen: 3 ÜbungsfragenFrage 1 von 3

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Wie kann ich mich auf die Gruppensituation vorbereiten?

Für das GSV kannst du nicht im klassischen Sinne lernen. Es würde keinen Sinn machen, irgendwelche Sätze auswendig zu lernen, weil du nicht wissen kannst, welche Themen besprochen werden und wie sich die Situation entwickelt.

Trotzdem kannst du dich vorbereiten, indem du übst:

  • aktives Zuhören
  • systematisches Erarbeiten eines Themas
  • strukturiertes Argumentieren
  • freies Sprechen vor Publikum
  • Reagieren auf sehr dominante Personen
  • Umgang mit Stress

Der Ratschlag „Sei einfach du selbst“ ist richtig, greift aber etwas zu kurz. Besser ist, wenn du in der richtigen Mischung aus selbstbewusst, reflektiert, höflich und respektvoll auftrittst.

FAQ zur Gruppensituation im Eignungstest der Bundeswehr

Wie lange dauert das GSV?

Eine Dauer für das GSV veröffentlicht die Bundeswehr nicht. Das gesamte Auswahlverfahren für Offizierbewerber/-innen in Köln dauert zwei Tage, das GSV ist ein Teil davon.

Gibt es richtige oder falsche Lösungen?

Nein. Für die Gruppenaufgaben gibt es keine Musterlösungen. Entscheidend ist, wie du mit deiner Gruppe ein Problem angehst und löst.

Droht eine schlechte Bewertung, wenn man eher wenig spricht?

Nicht unbedingt. Für die Bewertung zählt nicht, wie viel du sprichst, sondern was du sagst und wie du mit den anderen interagierst. Negativ wirkt aber, wenn du nur passiv herumsitzt und dich gar nicht einbringst.

Ist Führung wichtiger als Teamgeist?

Nein. Auch als Führungsperson ist Teamfähigkeit unverzichtbar.

Was sind die größten Fehler in der Gruppensituation?

Einige Verhaltensweisen wirken in einer Gruppensituation ungünstig:

  • Dominanz ohne Zuhören
  • Ignorieren anderer Meinungen
  • Ironie oder abwertende Kommentare
  • Wortmeldungen ohne Struktur
  • Passivität oder vorschneller Rückzug

Gerade im militärischen Umfeld ist ein sachlicher und produktiver Umgang wichtiger als die Selbstinszenierung.

Fazit: So meisterst du die Gruppensituation

Das Gruppensituationsverfahren ist weder ein Redewettbewerb noch geht es um schauspielerische Leistungen. Es soll zeigen, ob du die sozialen und kommunikativen Fähigkeiten mitbringst, die für effektive und kooperative Teams im militärischen Umfeld gefragt sind.

Durch die Gruppenaufgabe kann die Bundeswehr unter realitätsnahen Bedingungen prüfen, ob du:

  • strukturiert denkst,
  • höflich und respektvoll agierst,
  • dich klar und verständlich ausdrückst,
  • Verantwortung übernimmst,
  • Entscheidungen triffst
  • und gemeinsam mit anderen tragfähige Lösungen entwickelst.

Wenn du das verstanden hast, bist du gut auf das GSV vorbereitet.

Verantwortlich: Ömer Bekar  |  Fachliche Prüfung: Werner von Rappard, Sebahat Günsch  |  Letzte Prüfung: September 2026  |  Methodik

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