
Als Bewerber/-in radelst du im Sporttest auf dem Fahrrad-Ergometer.
Du willst zur Bundeswehr und fragst dich, was es mit dem Ergometer im Einstellungstest auf sich hat? Viele Bewerber/-innen sehen im 3.000-Meter-Test auf dem Fahrrad-Ergometer die anspruchsvollste Übung des Sporttests. Denn hier ist nicht nur Kondition gefragt, sondern du musst auch die Zeit im Blick behalten. In diesem Beitrag erfährst du, wie der Ergometer-Test genau abläuft, wie er bewertet wird und wie du dich optimal darauf vorbereiten kannst.
Fit für den Sporttest?
Als Soldat/-in ist körperliche Leistungsfähigkeit unverzichtbar. Deshalb prüft der Einstellungstest der Bundeswehr nicht nur deine fachliche, geistige, gesundheitliche und charakterliche Eignung, sondern enthält auch einen Sporttest.
Der sogenannte Basis-Fitness-Test oder kurz BFT besteht aus drei Disziplinen: Sprint, Klimmhang und Fahrrad-Ergometer. Dabei ist die Übung auf dem Ergometer die Ausdauerdisziplin.
Was ist der Ergometer-Test bei der Bundeswehr?
Der Test auf dem Fahrrad-Ergometer ist neben dem 11 × 10 Meter Sprinttest und dem Klimmhang-Test die dritte Übung im Sporttest.
Das Ziel der Übung ist, deine Ausdauerleistung und deine Belastungsfähigkeit zu überprüfen. Weil der Ergometer-Test ein computergestütztes Verfahren ist, können deine Werte präzise gemessen und objektiv ausgewertet werden.
Der Ablauf des Ergometer-Tests
Der Fahrrad-Ergometer-Test, kurz FET, gliedert sich in drei Phasen. Entscheidend für dich ist die mittlere Phase – denn hier erfolgt die Messung.
1. Aufwärmen – 1 Minute
- Du fährst dich bei 70 Watt locker ein.
2. Belastungsphase
Nach dem Aufwärmen beginnt die Messung.
- Die Wattzahl steigt auf 130.
- Bleibst du bei 130 Watt, schaffst du die Distanz bei einer Trittfrequenz zwischen 80 und 90 Umdrehungen pro Minute innerhalb der Zeit.
- Du kannst den Widerstand jederzeit verändern:
- höhere Wattzahl, gleiche Trittfrequenz → du machst mehr Strecke
- gleiche Wattzahl, höhere Trittfrequenz → du wirst schneller
- niedrigere Wattzahl → du musst die Trittfrequenz deutlich erhöhen, sonst reicht die Zeit nicht
Grundsätzlich gilt: Je höher der Widerstand ist, desto mehr Strecke machst du pro Umdrehung. Allerdings wird das Radeln dadurch auch anstrengender.
Sobald du die 3.000 Meter geschafft hast (oder die Zeit abgelaufen ist), stoppt die Messung.
3. Abkühlen – 1 Minute
- Du radelst locker weiter, um abzukühlen und den Kreislauf zu stabilisieren.
Die Wertung des Ergometer-Tests
Brauchst du länger oder brichst die Übung vorzeitig ab, hast du den Ergometer-Test und gleichzeitig den gesamten Sporttest nicht bestanden.
Bleibst du unter den 6:30 Minuten für die Distanz, wird deine Leistung erst in Punkte und dann in eine Note umgerechnet.
Basispunkte
Zuerst werden die Basispunkte ermittelt:
- Für die Mindestleistung (3.000 Meter in 6:30 Minuten) gibt es 100 Basispunkte.
- Je schneller du bist, desto höher ist die Punktzahl.
Disziplinpunkte
Als Nächstes werden die Disziplinpunkte ausgerechnet, also die Punkte für diese Disziplin. Dabei werden Zuschläge berücksichtigt, um anatomische und biologisch bedingte Leistungsunterschiede auszugleichen:
- Ab dem 36. Lebensjahr gibt es einen Alterszuschlag von 0,5 % pro Lebensjahr → Basispunkte x (Alter – 35) x 0,005
- Bewerberinnen bekommen 15 % Geschlechtszuschlag → Basispunkte x 0,15
- Für die Disziplinpunkte werden die Basispunkte und ggf. der Alters- und/oder Geschlechtszuschlag addiert.
Endnote
Für die beiden anderen Übungen vom Sporttest werden ebenfalls Disziplinpunkte ermittelt. Alle Disziplinpunkte werden addiert und die Summe durch 3 geteilt. Dieses Ergebnis wird in eine Note übertragen, die dein Endergebnis vom Sporttest ist.
Warum Ergometer – und kein 1.000-Meter-Lauf?
Im Zusammenhang mit dem Basis-Fitness-Test der Bundeswehr wirst du feststellen, dass oft ein 1.000-Meter-Lauf als dritte Disziplin genannt wird. Das ist nicht falsch – betrifft aber Soldat/-innen. Aktive Soldat/-innen absolvieren regelmäßig den BFT zum Nachweis ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit. Die dritte Übung ist dann tatsächlich ein Lauf über 1.000 Meter.
Der FET bietet mehrere Pluspunkte:
- überall identische Testbedingungen
- keine Stadionlaufbahn notwendig (Nicht alle Karrierecenter haben eine für den Lauf optimale 400-Meter-Bahn.)
- computergestützte, wissenschaftlich fundierte Messung und objektiv vergleichbare Daten
Du profitierst damit von maximaler Transparenz und Fairness.
Der Ergometer-Test im BFT ist kein Belastungs-EKG und kein Fitnessstudio-Ergometer
Der Begriff „Ergometer“ sorgt mitunter für Verwirrung. Denn vielleicht kennst du das Gerät vom Belastungs-EKG beim Arzt oder als Sportgerät im Fitnessstudio. Der Ergometer-Test im Auswahlverfahren der Bundeswehr hat damit aber wenig zu tun, denn seine Zielsetzung ist eine andere. Klarer wird das bei einem direkten Vergleich zwischen BFT und EKG:
| Bundeswehr-Test | Belastungs-EKG | |
| Charakter | Sportübung | medizinische Untersuchung |
| Ziel | Ermitteln der Ausdauer und körperlichen Leistungsfähigkeit | Beurteilung der Herz-Kreislauf-Funktion als medizinische Diagnose |
| Messdaten | Strecke, Zeit, Wattzahl und Trittfrequenz | Blutdruck, Puls, Herzstromkurve, Sauerstoffsättigung |
| Bewertung | Punkte | Gesundheitsparameter |
Im Einstellungstest geht es auf dem Ergometer nicht um deine Belastbarkeit aus medizinischer Sicht, sondern um die Frage: Reicht deine Ausdauer für 3.000 Meter und wie lange brauchst du dafür?
Das Ergometer im Fitnessstudio ist ein Sportgerät, mit dem du deine Kondition trainieren kannst. Allerdings sind die Geräte unterschiedlich kalibriert und durch verschiedene Programme kannst du die Belastung individuell einstellen. Eine offizielle Auswertung erfolgt nicht. Deshalb eignet sich das Fitnessstudio-Ergometer gut fürs Training – der Test im Auswahlverfahren wirkt durch klare Vorgaben aber strenger.
Die optimale Vorbereitung auf den Ergometer-Test
Alle drei Übungen des Sporttests sind grundsätzlich gut machbar, wenn du dich richtig darauf vorbereitest. Tatsächlich scheitern viele Bewerber/-innen auf dem Ergometer nicht an mangelnder Fitness, sondern an der Strategie. Sie fangen mit einer zu hohen Leistung an und halten dann nicht durch oder wählen eine ungünstige Trittfrequenz.
Für ein gezieltes Training bieten sich diese Maßnahmen an:
- Ergometer-Training: Optimal ist, wenn du auf einem Fahrrad-Ergometer trainieren kannst. Kombiniere dabei
- 2 bis 3 x pro Woche Ausdauertraining → bei 50 bis 75 Watt etwa 45 Minuten locker radeln
- 1 bis 2 x pro Woche Intervalltraining → 3 bis 5 Minuten bei hoher Belastung, danach 2 Minuten Erholungsphase, pro Einheit 5 Wiederholungen
- Lauftraining: Ergänzend oder alternativ zum Fahrrad-Ergometer → 3 Kilometer ohne Unterbrechungen laufen, ggf. Sprints einbauen
- Ergänzungen für mehr Abwechslung → Radfahren im Gelände, Schwimmen, Seilspringen
Entscheidend ist, dass du regelmäßig trainierst. Die Konstanz ist wichtig, um deine Kondition und Fitness nachhaltig aufzubauen.
FAQ zum Ergometer-Test der Bundeswehr
Welchen Widerstand muss ich einstellen?
Im Ergometer-Test gibt es keine feste Watt-Vorgabe. Nach der Aufwärmphase beginnt die Messung mit 130 Watt. Du kannst den Widerstand aber jederzeit anders einstellen. Wichtig ist nur, dass deine Trittfrequenz die Marke von 30 Umdrehungen pro Minute nicht unterschreitet – und dass du für die 3.000 Meter nicht mehr als 6:30 Minuten brauchst.
Gibt es Unterschiede für Frauen und Männer?
Die Mindestvorgabe – 3.000 Meter in maximal 6:30 Minuten – ist für alle gleich. In die Punkteberechnung fließt bei Bewerberinnen aber ein Geschlechtszuschlag von 15 Prozent ein.
Ist eine hohe Wattzahl oder eine hohe Trittfrequenz besser?
Das hängt davon ab, wie fit du bist. Für die meisten Bewerber/-innen sind ein moderater Widerstand von 130 bis 150 Watt und eine konstante Trittfrequenz von 80 bis 90 Umdrehungen pro Minute optimal. Wichtig ist, dass du im Vorfeld für dich austestet, was dir am besten liegt.
Was ist, wenn ich länger brauche?
Schaffst du die 3.000 Meter innerhalb der Zeit nicht, hast du den Ergometer-Test nicht bestanden. Gleichzeitig bist du damit beim ganzen Sporttest durchgefallen. Wie gut du in den beiden anderen Übungen warst, spielt keine Rolle mehr.
Wenn du nur am Sporttest scheiterst und ansonsten alle anderen Testteile bestehst, kannst du den BFT einmal innerhalb von sechs Monaten wiederholen.
Fazit
Der Ergometer-Test im Auswahlverfahren ist keine unlösbare Aufgabe. Mit einer soliden Grundfitness und einer gezielten Vorbereitung ist er absolut machbar. Problematisch sind weder die Zeit noch die Distanz, sondern eine falsche Taktik und eine ungünstige Einteilung deiner Kräfte.
Schätze deine Fitness deshalb realistisch ein, simuliere die Testsimulation und trainiere so, dass du die 3.000 Meter locker in unter 6:30 Minuten schaffst – dann kannst du souverän zum Test antreten und dir viele wertvolle Punkte im Auswahlverfahren sichern.














