
Wirst du Soldat/-in, verpflichtest du dich für eine bestimmte Zeit bei der Bundeswehr.
Als Soldat/-in auf Zeit arbeiten, Berufssoldat/-in werden oder doch lieber erst einmal nur reinschnuppern? Wenn du darüber nachdenkst, dich bei der Bundeswehr zu verpflichten, stellen sich schnell viele Fragen. In diesem Beitrag bekommst du Antworten – damit du für dich eine Entscheidung treffen kannst.
Online Testfragen aus der Eignungsprüfung der Bundeswehr
Wie werde ich Soldat/-in? Welche Laufbahn passt zu mir? Wie lange binde ich mich wirklich? Habe ich als Frau die gleichen Chancen wie als Mann? Und wie geht es nach der Dienstzeit weiter? Wenn dir solche Fragen durch den Kopf gehen, bist du hier richtig.
Die Bundeswehr gehört zu den größten Arbeitgebern Deutschlands und bietet gleichzeitig eine enorme Jobvielfalt in so ziemlich allen denkbaren Tätigkeitsbereichen. Aber die Entscheidung für eine militärische Laufbahn ist keine Lösung für zwischendurch, sondern eine bewusste Verpflichtung. Was das bedeutet, welche Möglichkeiten es gibt und wie du am besten vorgehst, erfährst du jetzt.
Bei der Bundeswehr verpflichten – was heißt das eigentlich?
Auf dem zivilen Arbeitsmarkt unterschreibst du einen Arbeitsvertrag, wenn du eine neue Stelle antrittst. Bei einer militärischen Laufbahn ist es anders: Du gehst – ähnlich wie ein Beamter – ein Dienstverhältnis ein und verpflichtest dich in diesem Zuge für einen bestimmten Zeitraum.
Das Dienstverhältnis als Soldat/-in ist mit Rechten und Pflichten verknüpft, die im Soldatengesetz geregelt sind. Dazu gehört, dass du Deutschland dienst, für die freiheitlich-demokratische Grundordnung eintrittst und Verantwortung übernimmst – auch unter besonderen Umständen wie im Verteidigungsfall, bei Katastrophen oder in Auslandseinsätzen.
Im Gegenzug profitierst du von einer fundierten militärischen und beruflichen Ausbildung. Du bekommst eine geregelte Besoldung und wirst kostenfrei medizinisch versorgt. Außerdem erhältst du oft Unterkunft und Verpflegung sowie Unterstützung für die Zeit nach deinem Dienstende.
Welche Möglichkeiten gibt es für eine Verpflichtung bei der Bundeswehr?
Für eine Karriere im militärischen Bereich gibt es grundsätzlich drei verschiedene Möglichkeiten:
Freiwilliger Wehrdienstleistende/r (FWDL)
Wenn du unsicher bist, ob der Soldatenberuf zu dir passt, oder dich nicht gleich festlegen willst, ist der freiwillige Wehrdienst (FWD) eine gute Lösung.
- Die Dauer beträgt 7 bis 23 Monate.
- Du versiehst deinen Dienst in der Laufbahn der Mannschaften.
- Der FWD beginnt mit der dreimonatigen Grundausbildung, danach übernimmst du Aufgaben in deiner Einheit. Auch die Teilnahme an einem Auslandseinsatz ist möglich.
- Die ersten 6 Monate gelten als Probezeit.
- Du kannst den FWD jederzeit abbrechen.
- Während des FWD kannst du dich als Zeitsoldat/-in verpflichten, wenn du bei der Bundeswehr bleiben willst.
Der freiwillige Wehrdienst bietet einen unkomplizierten Einstieg, um den Dienstalltag kennenzulernen – ohne längerfristige Bindung.
Soldat/-in auf Zeit (SaZ)
Als Zeitsoldat/-in verpflichtest du dich für mehrere Jahre.
- Die Verpflichtungszeit beträgt 2 bis maximal 25 Jahre.
- Du durchläufst eine militärische Ausbildung und erwirbst die fachliche Qualifikation für deine Verwendung.
- Dein Einsatz ist in den verschiedensten Berufsbildern möglich, je nach Laufbahn auch in Kombination mit einer zivilberuflichen Ausbildung oder einem Studium.
- Die Dienstzeit schafft eine sehr gute Grundlage für deine weitere berufliche Karriere – sowohl bei der Bundeswehr als auch auf dem zivilen Arbeitsmarkt.
Die meisten Soldat/-innen bei der Bundeswehr sind Zeitsoldat/-innen und auch der Einstieg erfolgt am häufigsten in diesem Status.
Berufssoldat/-in (BS)
Wirst du Berufssoldat/-in, bindest du dich für dein ganzes Berufsleben an die Bundeswehr. Eine militärische Laufbahn kannst du in diesem Status aber nicht beginnen.
Um die Übernahme als Berufssoldat/-in kannst du dich bewerben, wenn du mehrere Jahre als Zeitsoldat/-in gedient und einen gewissen Dienstgrad erreicht hast. Ob du in das Dienstverhältnis übernommen wirst, hängt von den drei Faktoren Eignung, Leistung und Befähigung ab.
In welche Laufbahnen kannst du einsteigen?
Damit du Zeitsoldat/-in werden kannst, musst du diese formalen Grundvoraussetzungen erfüllen:
- mindestens 17 Jahre alt
- erfüllte Vollzeitschulpflicht
- deutsche Staatsbürgerschaft
Welche Laufbahnen dir dann für den Einstieg offen stehen, richtet sich in erster Linie nach deinem Schulabschluss:
- ohne Schulabschluss → Mannschaften
- Hauptschulabschluss → Mannschaften oder Unteroffiziere des allgemeinen Fachdienstes
- Realschulabschluss (mittlere Reife) → Feldwebel im Fach- oder Truppendienst
- Fachhochschulreife oder Abitur → Offiziere
Du musst aber nicht die höchste Laufbahn wählen, die möglich wäre. Genauso kannst du sich für eine niedrigere Laufbahn entscheiden, wenn sie besser zu deinen Vorstellungen passt.
Und wenn ich schon eine abgeschlossene Berufsausbildung habe?
Bringst du bereits eine abgeschlossene Ausbildung und Praxis in einem Beruf mit, den es in ähnlicher Form bei der Bundeswehr gibt, handelt es sich um einen verwertbaren Beruf. In diesem Fall kannst du:
- auf deiner Qualifikation aufbauen.
- direkt in einem Fachgebiet eingesetzt werden.
- oft gleich mit einem höheren Dienstgrad beginnen.
Möchtest du dich beruflich komplett neu orientieren, ist das aber ebenfalls möglich – meistens bis zu einem Höchstalter von 29 Jahren.
Wie lange musst du dich bei der Bundeswehr verpflichten?
Entscheidest du dich für ein Dienstverhältnis als Zeitsoldat/-in, investiert die Bundeswehr in deine militärische und fachliche Ausbildung, bevor du in deiner Verwendung eingesetzt wirst. Dafür ist ein gewisses Zeitfenster notwendig.
Die Mindestverpflichtungszeit variiert je nach Laufbahn und Verwendung. Regulär beträgt die verpflichtende Dienstzeit mindestens:
- Mannschaften: 2 Jahre
- Unteroffiziere: 8 Jahre
- Feldwebel: im Fachdienst 3 bis 16 Jahre, im Truppendienst 8 bis 15 Jahre
- Offiziere: 13 Jahre, im Sanitätsdienst 17 Jahre
Bei einer verwertbaren Vorbildung kann die Mindestverpflichtungszeit auch kürzer sein. Maximal kannst du dich für 25 Jahre verpflichten.
Während deiner Dienstzeit kannst dich für einen Laufbahnwechsel bewerben. Das kann aber mit einer Verlängerung der Verpflichtungszeit verbunden sein – vor allem, wenn du in eine höhere Laufbahn wechselst.
Gibt es so etwas wie eine Probezeit?
Du musst dir keine Sorgen machen, dass du dich womöglich vorschnell oder falsch entscheidest. Denn bei der Bundeswehr gibt es zwei Möglichkeiten:
- Eignungsübung: Hast du eine abgeschlossene Berufsausbildung und stellt dich die Bundeswehr in einem erlernten Beruf ein, kannst du während der Eignungsübung jederzeit deine Entlassung beantragen.
- Widerrufliche Verpflichtungserklärung: In allen anderen Fällen kannst du die Verpflichtungserklärung, die du bei Dienstantritt abgegeben hast, widerrufen und die Bundeswehr verlassen.
Welche Ausbildungen bietet die Bundeswehr an?
Jede militärische Laufbahn beginnt mit einer dreimonatigen Grundausbildung. Anschließend folgen verschiedene Module, die die militärische und die fachliche Ausbildung kombinieren – abgestimmt auf deine Verwendung und Laufbahn.
Zusätzlich dazu kannst du eine zivilberufliche Aus- und Weiterbildung (ZAW) machen. Dadurch erlernst du einen anerkannten Ausbildungsberuf wie auf dem zivilen Arbeitsmarkt. Weil die Bundeswehr dabei mit der IHK, der HWK und anderen Kammern zusammenarbeitet, hast du einen vollwertigen, bundesweit gültigen Abschluss.
In der Offizierslaufbahn wird die militärische Ausbildung durch ein Studium ergänzt – an einer Universität der Bundeswehr oder einer zivilen Partnerhochschule. Das Studium gliedert sich in Trimester (nicht Semester). Bis zum Masterabschluss dauert es etwa vier Jahre.
Wie gehst du vor, wenn du dich bei der Bundeswehr verpflichten willst?
An erster Stelle, noch bevor es konkret wird und du dich bewirbst, stehen Orientierung und Information:
- Verschaffe dir auf der Bundeswehr-Karriereseite einen Überblick über Laufbahnen, Tätigkeitsbereiche und Verwendungen.
- Vereinbare einen Termin mit der Karriereberatung.
- Kläre im Beratungsgespräch deine beruflichen Möglichkeiten, die Besonderheiten des Soldatenberufs und den Ablauf des Auswahlverfahrens.
Nach dem Gespräch entscheidest du, ob du dich bewerben willst. Wenn ja, gibst du deine Bewerbungsmappe beim Karriereberater oder online ab.
Das Auswahlverfahren
Die Bundeswehr prüft deine Bewerbung. Passt alles und scheinst du geeignet, bekommst du eine Einladung zum Einstellungstest. Dieser dauert zwei bis drei Tage und beinhaltet:
- computergestützte Tests (Deutsch, Mathematik, Technik, Allgemeinwissen, Logik, Konzentration, Reaktion)
- Sporttest
- medizinische Eignungsuntersuchung
- Vorstellungsgespräch (psychologisches Interview)
- Gruppensituation (nur Feldwebel und Offiziere)
- Studienberatung (nur Offiziere)
Wie geht es nach dem Dienst als Zeitsoldat/-in weiter?
Irgendwann endet deine Verpflichtungszeit, bis zur Rente ist es aber meistens noch eine Weile hin. Du hast dann mehrere Möglichkeiten:
- Eventuell kannst du deine Dienstzeit verlängern.
- Du bewirbst dich um die Übernahme als Berufssoldat/-in.
- Du wechselst in den zivilen Bereich der Bundeswehr.
- Du verlässt die Bundeswehr und arbeitest in der freien Wirtschaft.
Unterstützung bekommst du vom Berufsförderungsdienst (BFD), der neben Beratung und Hilfe bei der Jobsuche auch Weiterbildungen, Umschulungen und Praktika vermittelt.
Gibt es bei der Bundeswehr auch zivile Karrieren?
Ja. Ist eine Uniform nichts für dich, bietet auch der zivile Bereich verschiedene Optionen. So kannst du unter anderem:
- eine zivile Berufsausbildung machen,
- ein duales Studium absolvieren,
- als ausgebildete Fachkraft tätig werden
- oder eine Beamtenlaufbahn einschlagen.
Als zivile/r Mitarbeiter/-in unterschreibst du einen ganz normalen Arbeitsvertrag – ohne Verpflichtungszeit und mit einem Kündigungsrecht.
Fazit zur Verpflichtung bei der Bundeswehr
Ob freiwilliger Wehrdienst, Soldat/-in auf Zeit, später Berufssoldat/-in oder doch eine zivile Laufbahn: Die Bundeswehr eröffnet viele Wege. Was zählt ist, dass du deine Lebenssituation reflektierst und gut informiert eine bewusste Entscheidung triffst.
Nimm dir die Zeit, um dich ausführlich beraten zu lassen, und stelle alle deine Fragen. Danach kannst du für dich klären, ob und in welcher Form du dich verpflichten möchtest.














