
Auch als angehender Offizier musst du deine Fitness unter Beweis stellen.
Viele Bewerber/-innen machen sich Gedanken über den Sporttest im Auswahlverfahren für Offiziere bei der Bundeswehr. Sie befürchten, dass ihre Fitness dafür nicht ausreicht. Dabei ist der sogenannte Basis-Fitness-Test nicht nur klar strukturiert, sondern vor allem gut trainierbar. Wenn du weißt, was auf dich zukommt und dich gezielt darauf vorbereitest, wirst du den Sporttest erfolgreich meistern.
Fit für den Sporttest?
Möchtest du die Laufbahn der Offiziere einschlagen, musst du im Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr in Köln deine Eignung unter Beweis stellen. Der umfangreiche Einstellungstest enthält Computertests, Gruppenaufgaben, ein psychologisches Interview, eine Studienberatung und eine ärztliche Untersuchung. Außerdem absolvierst du einen Sporttest.
Dabei ist der Sporttest kein Nebenschauplatz. Denn als militärische Führungskraft musst du nicht nur fachlich, mental und charakterlich stark sein, sondern auch körperlich überzeugen. In diesem Beitrag erfährst du, welche Disziplinen dich im Sporttest erwarten, wie deine Leistungen bewertet werden und wie du dich vorbereiten kannst.
Was ist der Basis-Fitness-Test?
Basis-Fitness-Test oder kurz BFT ist die offizielle Bezeichnung für den Sporttest der Bundeswehr. Schon seit 2014 ist er der Standard-Sporttest – sowohl für aktive Soldat/-innen als auch für Bewerber/-innen.
Im Auswahlverfahren absolvierst du den BFT der Personalgewinnung (BFT PerG). Er besteht aus drei Stationen:
- 11 × 10 Meter Sprinttest
- Klimmhang-Test
- 3.000 Meter Fahrrad-Ergometer-Test
Dabei wird der Sporttest für alle Bewerber/-innen in der gleichen Form und unter identischen Bedingungen durchgeführt – unabhängig von angestrebter Verwendung, Alter und Geschlecht.
Die Disziplinen des Sporttests im Detail
Der Sporttest setzt sich aus drei Übungen zusammen. Damit die Bedingungen für alle Bewerber/-innen gleich sind, ist die Reihenfolge festgelegt. Außerdem sieht das Testverfahren vor, dass der ganze Sporttest nicht länger dauern darf als 90 Minuten.
1. Station: 11 × 10 Meter Sprinttest

Die Abfolge beim Sprinttest ist vorgegeben.
Bei der ersten Übung sind Schnelligkeit und Geschicklichkeit gefragt. Du sprintest nicht nur möglichst schnell 110 Meter aufgeteilt auf 5,5 Runden, sondern gehst zwischen den Runden in Bauchlage.
- Du liegst bäuchlings flach auf der Turnmatte.
- Nach dem Startkommando richtest du dich auf und sprintest zur 10 Meter entfernten Pylone.
- Die Pylone umrundest du und kehrst zur Matte zurück.
- Auf der Matte gehst du wieder in Bauchlage und klatschst die Hände hinter dem Rücken zusammen.
- Das Ganze wiederholst du insgesamt fünfmal.
- Dann folgt ein letzter Sprint zur Pylone.
Fehler wie ein falsches Umlaufen der Pylone oder ein fehlerhaftes Ablegen auf der Matte kosten Zeit und können sogar dazu führen, dass der Prüfer deinen Durchgang abbricht.
2. Station: Klimmhang-Test

Beim Kammgriff zeigen deine Handrücken von Dir weg.
Die zweite Übung testet deine Kraftausdauer. Du positionierst dich dazu an einer Reckstange. Für die Startposition stellst du dich auf einen Kasten, umfasst die Stange im Kammgriff und beugst deine Arme eng zum Oberkörper. So verläuft die Stange ungefähr auf Schulterhöhe und du bist in der oberen Endposition eines normalen Klimmzugs.
Sobald der Kasten entfernt ist, beginnt die Messung. Deine Zeit läuft, solange du die Position halten kannst und dein Kinn oberhalb der Stange ist. Es macht nichts, wenn du zwischendurch etwas absinkst. Doch sobald dein Kinn unterhalb der Stange ist, ist die Übung beendet.
3. Station: 3.000 Meter Fahrrad-Ergometer-Test
Die dritte Übung ist eine Ausdauerdisziplin auf dem Fahrrad-Ergometer. Dabei radelst du möglichst schnell 3.000 Meter.
Nach einer einminütigen Aufwärmphase beginnt die Messung mit einem Widerstand von 130 Watt. Du kannst aber sowohl die Wattzahl als auch deine Trittfrequenz jederzeit anpassen. Je höher der Widerstand ist, desto mehr Strecke machst du pro Pedalumdrehung, allerdings brauchst du dann auch mehr Kraft.
Sobald du die Distanz erreicht hast, stoppt die Messung. Dann folgt eine weitere Minute, in der du locker radelst, um abzukühlen.
Der Ergometer-Test ist ein computergestütztes Verfahren, das eine objektive Bewertung ohne Messfehler ermöglicht. Gleichzeitig stellt es identische Bedingungen für alle Bewerber/-innen sicher. Für aktive Soldat/-innen ersetzt ein 1.000-Meter-Lauf den Ergometer-Test.
Die Bewertung des Sporttests
Erreichst du die Mindestwerte, werden deine Leistungen in ein Punktesystem übertragen und anschließend in eine Note umgerechnet:
- Zunächst erhältst du Basispunkte. Für die Mindestleistung gibt es 100 Basispunkte. Je besser deine Leistungen sind, desto höher fällt die Punktzahl aus.
- Um physiologische Unterschiede auszugleichen, gibt es einen Alters- und einen Geschlechtszuschlag.
- Der Alterszuschlag wird ab dem 36. Lebensjahr gewährt und beträgt 0,5 Prozent pro Lebensjahr über 35.
- Den Geschlechtszuschlag erhalten Bewerberinnen. Er beträgt 15 Prozent bei Sprint und Ergometer sowie 40 Prozent beim Klimmhang.
- Die Basispunkte und eventuelle Zuschläge werden addiert und ergeben die Disziplinpunkte.
- Die Summe der Disiplinpunkte für die drei Übungen wird durch 3 geteilt.
- Zum Schluss wird deine Endpunktzahl in eine Note zwischen 1 (sehr gut) und 4 (ausreichend) übertragen.
Wie schwer ist der Basis-Fitness-Test wirklich?
Während einige Bewerber/-innen den Sporttest überschätzen, unterschätzen andere ihn. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.
Für ein gutes Ergebnis musst du kein/e Topathlet/-in sein. Aber du solltest:
- eine solide Grundfitness haben.
- schnelle Richtungswechsel beherrschen.
- Klimmzüge sicher ausführen können.
- Kondition mitbringen.
- auch unter Zeitdruck, Belastung und Beobachtung Leistung abrufen können.
Tatsächlich finden viele Bewerber/-innen, dass der Sporttest besser kalkulierbar ist als zum Beispiel die Gruppenaufgaben oder das Vorstellungsgespräch. Denn im BFT zählen klar definierte und objektiv messbare Leistungen. Und eine gezielte Vorbereitung hilft, deine Werte nachhaltig zu verbessern.
So bereitest du dich optimal vor
Auch wenn du fit und sportlich aktiv bist: Trainiere gezielt für den BFT. Denn die Prüfungssituation im Einstellungstest ist besonders.
Für ein effektives Training kombinierst du am besten verschiedene Disziplinen, die zusammen das gesamte Spektrum abdecken:
- Laufen, Radfahren und Schwimmen für die Ausdauer
- Sprints und Intervalltraining für die Schnelligkeit
- Seilspringen, Hürdenläufe und Strecksprünge aus Bauchlage für die Geschicklichkeit
- Klimmzüge und Liegestütze für die Kraft
- Sit-ups und Planks für die Rumpfstabilität
Wichtig ist, dass du die Disziplinen nicht nur einzeln trainierst, sondern immer wieder den kompletten Sporttest am Stück simulierst. Denn im Auswahlverfahren absolvierst du die Übungen auch direkt hintereinander.
Häufige Fragen zum Sporttest für Offiziere bei der Bundeswehr
Wie viele Punkte brauche ich mindestens?
Zunächst ist entscheidend, dass du in allen drei Übungen die Mindestanforderung erfüllst. Erst dann kommt die genaue Punktzahl ins Spiel. Dabei gilt: Je besser deine Leistungen sind, desto höher ist deine Punktzahl – und desto besser ist die Endnote, die ins Gesamtergebnis einfließt.
Gibt es Unterschiede nach Alter und Geschlecht?
Nein, die Mindestanforderungen sind für alle Bewerber/-innen gleich. Zuschläge spielen erst bei der Punkteberechnung eine Rolle.
Ist der Basis-Fitness-Test der anspruchsvollste Abschnitt des Eignungstests?
Für die meisten Bewerber/-innen nicht. Denn du weißt vorher ganz genau, was auf dich zukommt und welche Leistungen du erbringen musst. Dadurch kannst du dich sehr gezielt vorbereiten.
Wie viel Zeit sollte ich für die Vorbereitung einplanen?
Den Trainingsplan solltest du auf deinen aktuellen Fitnessstand abstimmen. Zur Orientierung:
- 4 bis 6 Wochen bei guter Grundfitness
- mindestens 8 Wochen, wenn du eher unsportlich bist
Unterscheidet sich der Sporttest für Offiziere von anderen Laufbahnen?
Nein. Der BFT ist der Standard-Sporttest der Bundeswehr und für alle Bewerber/-innen gleich – unabhängig von Laufbahn und Verwendung.
Was ist, wenn ich durchfalle?
Scheiterst du nur am Sporttest, während du alle anderen Teile des Einstellungstests erfolgreich absolviert hast, kannst ihn einmal innerhalb von sechs Monaten wiederholen.
Begegnet mir der Sporttest später wieder?
Ja. Du legst den BFT am Anfang und am Ende der militärischen Grundausbildung noch einmal ab und im Dienst dann einmal pro Jahr – allerdings mit einem 1.000-Meter-Lauf anstelle des Ergometer-Tests.
Fazit
Der Sporttest der Bundeswehr fordert verschiedene Fertigkeiten. Aber du weißt, was dich erwartet. Die Übungen, die Abläufe, die Mindestleistungen und die Bewertung sind klar definiert und transparent.
Mit einer realistischen Einschätzung deiner Leistungsfähigkeit und einem strukturierten Trainingsplan ist der BFT eine Hürde, die du kontrolliert nehmen kannst. Genau das deckt die Erwartungen, die auch an einen künftigen Offizier gestellt werden: Vorbereitung, Belastbarkeit und Leistungsbereitschaft.














